Wohnungspolitik: Flexible Wohnformen im Fokus der Regulierung

Das Segment „Wohnen auf Zeit“ steht zunehmend im Zentrum wohnungspolitischer Debatten. Eine aktuelle Studie des ifo Instituts zeigt: Die Bedeutung dieses Marktes wird häufig überschätzt – und pauschale regulatorische Eingriffe könnten mehr schaden als nutzen.

In vielen deutschen Großstädten bleibt bezahlbarer Wohnraum knapp. Die Angebotsmieten sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen, in den größten Städten im Schnitt um rund 75 Prozent. Gleichzeitig reagiert die Politik mit weiteren Regulierungsansätzen. Im Fokus steht derzeit auch das Segment möblierter und befristeter Vermietung – häufig zusammengefasst als „Wohnen auf Zeit“. Eine aktuelle Untersuchung des ifo Instituts ordnet dieses Segment ökonomisch ein und kommt zu einem differenzierten Ergebnis: Zwar wächst das Angebot, seine Bedeutung für den Gesamtmarkt bleibt jedoch gering. Selbst unter großzügigen Annahmen liegt der Anteil entsprechender Wohnungen bei unter 1 Prozent des gesamten Mietwohnungsbestands.

Kein zentraler Treiber der Wohnraumknappheit
Die Studie widerspricht damit der verbreiteten Annahme, flexible Vermietungsformen seien ein wesentlicher Grund für steigende Mieten. Zwar zeigt sich, dass das Angebot an befristeten und möblierten Wohnungen in Städten mit Mietpreisbremse stärker zunimmt. Gleichzeitig entwickelt sich das Angebot an regulären Mietwohnungen jedoch nicht schwächer als in nicht regulierten Märkten. Ein Verdrängungseffekt zulasten klassischer Mietverhältnisse lässt sich nicht nachweisen. Damit relativiert die Analyse eine zentrale These der aktuellen politischen Diskussion. Die beobachtete Ausweitung könnte ebenso auf eine steigende Nachfrage nach temporärem Wohnraum zurückzuführen sein – etwa durch Projektarbeit, internationale Fachkräfte oder Studierende.

Eigenständige Funktion des Segments
Tatsächlich erfüllt „Wohnen auf Zeit“ nach den Ergebnissen der Studie eine eigene Funktion im Wohnungsmarkt. Die Nachfrage ist überwiegend kurzfristig und häufig arbeitsbedingt. Ein großer Teil der Mietverhältnisse dauert nur wenige Monate. Gleichzeitig spielen auf Vermieterseite neben Renditeüberlegungen vor allem Flexibilität, Eigenbedarfsoptionen und die Vermeidung langfristiger Bindungen eine Rolle. Diese Motive haben konkrete Auswirkungen: Würden entsprechende Vermietungsformen stärker eingeschränkt, dann stünde ein erheblicher Teil der Wohnungen nicht automatisch dem regulären Mietmarkt zur Verfügung. Stattdessen drohen Leerstand oder alternative Nutzungen.

Regulierung mit Augenmaß
Vor diesem Hintergrund warnt die Studie vor pauschalen Verschärfungen. Eingriffe könnten das Angebot für mobile und kurzfristig suchende Haushalte deutlich reduzieren, ohne zugleich den langfristigen Mietwohnungsmarkt spürbar zu entlasten. Aus Sicht der Autoren ist daher ein zielgenauer Ansatz erforderlich. Regulierung sollte dort ansetzen, wo tatsächlich Umgehungstatbestände vorliegen. Gleichzeitig gilt es, jene Fälle zu berücksichtigen, in denen flexible Vermietung einen realen Bedarf deckt.

Strukturelle Probleme bleiben entscheidend
Unabhängig von der Diskussion um einzelne Marktsegmente bleibt die zentrale Herausforderung bestehen: der Mangel an Wohnraum insgesamt. Die Studie verweist darauf, dass Neubautätigkeit, Flächennutzung und Mobilität im Bestand entscheidend für eine Entlastung der Märkte sind. Für Vermieter bedeutet dies vor allem eines: Die politische Debatte um Kurzzeitvermietung greift zu kurz, wenn sie strukturelle Ursachen der Wohnraumknappheit ausblendet. Flexible Wohnformen sind Teil des Marktes – nicht dessen Kernproblem.

Matthias zu Eicken, Leiter Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik Haus & Grund Deutschland

Suchcode: 2606-PW04

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