Modulhäuser: Preiswert bauen – wie geht das?

Wer im Internet nach preiswerten Angeboten für die eigenen vier Wände sucht, findet neben den typischen schlüsselfertigen Fertighäusern und den winzigen Tiny Houses immer häufiger auch Modulhäuser. Dabei wird zum Teil mit Preisen unter 100.000 Euro geworben. Aber was ist dran an diesen Offerten? Worauf sollten Bauherren bei Kauf und Bau eines Hauses achten?

100.000 Euro für ein ganzes Haus hören sich verlockend an. Ein solch niedriger Preis ist jedoch mit vielen Einschränkungen und einer sehr geringen Wohnfläche verbunden. Daneben benötigen Modulhäuser genauso wie herkömmlich errichtete Wohnhäuser ein Grundstück, auf dem sie stehen und Versorgungsanschlüsse für Trinkwasser, Abwasser, Strom sowie Medienanschlüsse (Internet, Fernsehen oder Telefonie). Hierfür müssen nicht nur die entsprechenden Anträge gestellt, Genehmigungen eingeholt und Verträge abgeschlossen, sondern auch die Kosten eingeplant werden.

Hauskosten
Modulhäuser sind vor allem deshalb günstiger als Massiv- und Fertighäuser, weil sie zu 90 Prozent in der Werkhalle vorgefertigt und in Serie produziert werden können. Die Produktionskosten sind dadurch geringer. Ein Modulhaus wird nach dem Baukastenprinzip aus verschiedenen Modulen vor Ort zusammengesetzt. Jedes Modul ist eine vorgefertigte Raumzelle, die neben Decke und Wänden bereits mit Türen, Fenster, Wand- und Bodenbelägen und weiteren Installationen ausgestattet ist. Die Preisuntergrenze eines Modulhauses liegt bei einem Quadratmeterpreis von 2.500 Euro. Realistische Angebote für ein schlüsselfertiges Einzelmodulhaus beginnen aber meist erst ab 3.000 Euro pro Quadratmeter. Denn die Preise hängen stark vom Ausstattungsgrad ab: Ein Modulhaus kann als einfaches Gästehaus, aber auch als vollwertiges und hocheffizientes Wohnhaus errichtet werden.

Grundstückskosten und Nebenkosten
Die Grundstückspreise für Bauland in Deutschland variieren stark: Sie können wenige Hundert Euro bis zu mehreren Tausend Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche betragen. Nach dem Kaufpreis der Immobilie richten sich auch die Notar- und Grundbuchkosten. Liegt der Kaufpreis allerdings unter dem sogenannten Verkehrswert, dann ist der Verkehrswert entscheidend. Die Notarkosten liegen bei 1,5 bis 2,0 Prozent des Kaufpreises beziehungsweise Verkehrswertes. Für den Grundstückskauf ist auch eine Grunderwerbsteuer zu entrichten. Deren Höhe unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Während in Bayern 3,5 Prozent fällig werden, beträgt die Grunderwerbsteuer in Berlin 6,0 Prozent und in Brandenburg sogar 6,5 Prozent des Kaufpreises. Viel Geld kann gespart werden, wenn zunächst ein unbebautes Grundstück erworben wird. Dann fallen die Gebühren und Steuern nur auf den Kaufpreis des Grundstückes an, anderenfalls sind die Gebühren und Steuern auf den Grundstücks- und Hauspreis zu entrichten. Wird beim Immobilienkauf noch ein Makler hinzugezogen, dann können bis zu 3,57 Prozent des Kaufpreises als Provision fällig werden. Die Kosten, die neben dem reinen Kaufpreis der Immobilie für Notar, Grundbuchamt, Grunderwerbsteuer und Maklerprovision hinzukommen, werden als Kaufnebenkosten bezeichnet. Summiert man diese, entstehen insgesamt Zusatzkosten von 9 bis 12 Prozent des Kaufpreises.

Versorgungs- und Medienanschlüsse
Die Kosten für die Versorgungs- und Medienanschlüsse hängen maßgeblich von der Lage des Grundstücks ab. Ein Grundstück gilt als erschlossen, wenn die nötigen Leitungen bereits in der Straße vor oder auf dem Grundstück liegen. Umso größer die Entfernung des Hauses zum Anschlusspunkt, desto teurer wird es. Zudem unterscheiden sich die Preise der einzelnen Versorgungsunternehmen untereinander. Für den Anschluss eines Einfamilienhauses ist etwa mit Kosten für Trinkwasser und Abwasser von jeweils 3.500 bis 5.000 Euro, für Strom von 2.000 bis 3.000 Euro und für den Medienanschluss (Glasfaser) von 700 bis 1.200 Euro zu rechnen. Im Normalfall muss man für die Versorgungs- und Medienanschlüsse insgesamt mit 10.000 bis 15.000 Euro rechnen.

Baugenehmigung
Bevor ein Haus fest aufgestellt und dauerhaft bewohnt wird, ist in Deutschland eine Baugenehmigung erforderlich. Dies gilt auch für Modulhäuser. Die Kosten für die behördliche Baugenehmigung betragen zumeist etwa 0,5 Prozent der kompletten Bausumme. Die Ausgaben für Planung und Vorbereitung des Bauantrags durch einen Architekten oder Bauingenieur belaufen sich bei Fertig- oder Modulhäusern auf 10 bis 15 Prozent der Bausumme. Angenommen das Haus kostet 150.000 Euro, dann entstehen für Bauantrag und Baugenehmigung Kosten von 10 bis 15.500 Euro.

Vor- und Nachteile von Modulhäusern
Ein Vorteil von Modulhäusern ist die kurze Bauzeit: Während das Haus in der Werkhalle entsteht, können parallel auf der Baustelle Bodenplatte oder Keller errichtet werden. Für den Transport eines Modulhauses vom Werk zum Grundstück über mehrere Hundert Kilometer können jedoch zusätzliche Kosten von mehreren Tausend Euro entstehen. Damit die Module über enge Straßen, durch Tunnel oder Brücken transportiert werden können, sind ihre Abmessungen begrenzt. Das ist mit Qualitäts- und Komforteinbußen verbunden: geringes Platzangebot sowie einfache und eckige Bauformen. Grundsätzlich können Modulhäuser auch mehrstöckig als Mehrfamilienhäuser errichtet werden. Dazu werden einzelne seriell gefertigte Module nebeneinander- oder auch übereinandergestellt. Allerdings gibt es wegen der Statik Einschränkungen: Mehr als sechs Geschosse übereinander sind zumeist nicht möglich.

Tipp

Um beim Kauf und Bau eines schlüsselfertigen Hauses alle relevanten Aspekte zu berücksichtigen, nutzen Sie den kostenlosen Bauvertrag, den Haus & Grund zusammen mit dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) entwickelt hat. Sie finden diesen auf der Internetseite von Haus & Grund: www.hausundgrund.de/efh-handwerk

Corinna Kodim, Geschäftsführerin Energie, Umwelt, Technik Haus & Grund Deutschland

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