Innenstädte: Funktionsmix soll City beleben

Deutsche Innenstädte haben sich verändert. Waren ihre Fußgängerzonen einst lebendige Orte der Begegnung, die zum Flanieren, Shoppen oder Verweilen einladen, entsprechen sie mittlerweile immer weniger den Bedürfnissen der Bürger.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die TU Darmstadt gemeinsam mit dem Immobilienunternehmen JC Real Estate durchgeführt hat. Essenzielle Bedürfnisse nach Erholung, Freizeit, Qualität des öffentlichen Raums und Wohnens blieben demnach unerfüllt. Insbesondere bei der Wohnsituation (41 Prozent), aber auch beim Einzelhandel (33 Prozent) und bei der Qualität des öffentlichen Raums (32 Prozent) beobachten viele der Befragten einen Attraktivitätsverlust. Werde nicht auf den sich abzeichnenden Strukturwandel reagiert, drohen steigende Leerstände und in der Folge sinkende Mietpreise, so die Autoren der Studie – eine Entwicklung, die Kommunen, aber auch Eigentümer unter Druck setzt.

Monofunktionale Ausrichtung geht an Bürgern vorbei

Die Transformation der Innenstädte muss daher individuell gestaltet werden, basierend auf lokalen Rahmenbedingungen und den Bedürfnissen der Nutzer. Zum Beispiel wünschen sich 55 Prozent der Bürger attraktivere Erholungs- und Freizeitangebote in den Innenstädten. Jeweils 52 Prozent sind der Meinung, dass die Qualität des öffentlichen Raums und des Wohnens verbessert werden sollte. Auch der Einzelhandel spielt für 47 Prozent der Befragten immer noch eine wichtige Rolle als Anziehungspunkt. Tatsächlich variieren die Anforderungen an den Einzelhandel je nach Milieu: Während im Durchschnitt aller Befragten 47 Prozent angaben, dass sie verbesserte Einkaufsmöglichkeiten öfter in die Innenstadt locken würde, trifft dies nur auf 37 Prozent der jungen, gut ausgebildeten Städter zu.

Wohnen statt Shoppen

Im zukünftigen Mix der Innenstadtfunktionen spielen vor allem die Themen Wohnen und Arbeiten eine große Rolle. Aktuell arbeiten nur 11 Prozent der Befragten in der Innenstadt. Für weitere 40 Prozent wäre dies durchaus eine Option. 27 Prozent wären dazu partout nicht bereit. Auch die Bereitschaft, in Innenstädten zu wohnen, ist hoch: 62 Prozent der Befragten können sich dies grundsätzlich vorstellen. Das unterstreicht einerseits das enorme Potenzial, das in diesen Funktionen für die Wiederbelebung der Innenstädte liegt, und zeigt andererseits, dass die traditionellen Konzepte, auf die deutsche Innenstädte in der Vergangenheit aufbauten, vor einer gewaltigen Herausforderung stehen.

Leerstehende Kaufhäuser bieten nur wenig Potenzial

Vor diesem Hintergrund werden immer wieder Forderungen laut, leerstehende Kaufhäuser in Wohnraum umzuwidmen. Dadurch würde Wohnraum in oft attraktiven Lagen entstehen und Abrisse vermieden werden. Die Nachnutzung kann allerdings mitunter teuer und aufwendig werden – insbesondere was Helligkeit und Belüftung der Gebäude angeht. Von den seit Ende der 1990er-Jahre in Deutschland 131 geschlossenen Warenhäusern wurden bislang acht in Wohnungen umgewidmet, so eine Studie von Empirica. Die meisten davon befinden sich tatsächlich in Stadtzentren.

Astrid Zehbe, Referentin Presse & Kommunikation Haus & Grund Deutschland

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