Immobilienmärkte im Wandel: Warum der Standort entscheidend wird

Der deutsche Wohnimmobilienmarkt hat sich nach der Zinswende spürbar verändert. Während die Niedrigzinsphase der 2010er-Jahre von außergewöhnlich starken Preissteigerungen geprägt war, hat der abrupte Zinsanstieg ab 2022 zu einer deutlichen Marktanpassung geführt. Inzwischen hat sich der Markt stabilisiert. Langfristig ist laut einer aktuellen Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) wieder mit moderaten Preissteigerungen zu rechnen. Das Institut geht von realen durchschnittlichen Steigerungen um jährlich rund 1 Prozent bis 2035 aus. Doch dieser Durchschnittswert verdeckt die eigentliche Entwicklung. Die Unterschiede zwischen den Regionen werden deutlich größer.

Die zentrale Botschaft der IW-Studie lautet, dass sich der Immobilienmarkt in Deutschland zunehmend auseinanderentwickelt. Während wirtschaftsstarke Metropolregionen und gut angebundene Umlandräume weiterhin mit steigenden Preisen rechnen können, müssen strukturschwächere Regionen mit stagnierenden oder sogar rückläufigen realen Kaufpreisen rechnen.

Dabei ist die klassische Unterscheidung zwischen Stadt und Land zu grob geworden. Entscheidend ist vielmehr die wirtschaftliche Position einer Region. Wie gut ist sie an Arbeitsmärkte angebunden? Wie entwickelt sich die Bevölkerung? Gibt es Wachstumsperspektiven? Selbst innerhalb eines Bundeslandes können sich die Perspektiven einzelner Kreise inzwischen deutlich unterscheiden.

Was das für selbst nutzende Eigentümer bedeutet
Für selbst nutzende Eigentümer gewinnt damit die langfristige Standortqualität stark an Bedeutung. Die eigene Immobilie bleibt zwar ein zentraler Baustein der Vermögensbildung und Altersvorsorge. Ob und in welchem Umfang sie ihren Wert hält oder steigert, hängt künftig jedoch stärker von regionalen Faktoren ab.

Ein Beispiel verdeutlicht das: Ein Einfamilienhaus im Umland einer wirtschaftsstarken Großstadt mit guter Verkehrsanbindung kann weiterhin von Zuzug und steigender Nachfrage profitieren. Ein vergleichbares Objekt in einer Region mit rückläufiger Bevölkerung und schwächerer wirtschaftlicher Dynamik kann dagegen real an Wert verlieren – selbst bei ähnlicher Bauqualität.

Hinzu kommt, dass die Qualität des Gebäudebestands stärker ins Gewicht fällt. Energetische Modernisierung und Anpassungsfähigkeit werden zu entscheidenden Faktoren für die Attraktivität einer Immobilie. Regionen mit hohem Sanierungsbedarf könnten zusätzlich unter Druck geraten.

Perspektiven für private Vermieter
Für private Vermieter ergeben sich daraus ebenfalls wichtige Schlussfolgerungen. Eine differenzierte Betrachtung des lokalen Marktes wird unverzichtbar, da sich Entwicklungen zunehmend auf Ebene einzelner Kreise unterscheiden und pauschale Aussagen über „den Wohnungsmarkt“ an Aussagekraft verlieren.

In wirtschaftsstarken Regionen und deren Umland bestehen weiterhin vergleichsweise stabile Nachfrage- und Wertentwicklungsperspektiven. In strukturschwächeren Regionen hingegen können geringere Nachfrage, stagnierende Mieten und ein wachsender Anpassungsdruck im Bestand die wirtschaftlichen Spielräume deutlich einschränken.

Dies wirkt sich unmittelbar auf Investitionsentscheidungen aus. Maßnahmen wie energetische Modernisierungen hängen nicht allein von ihrer technischen oder ökologischen Sinnhaftigkeit ab, sondern maßgeblich von der jeweiligen Ertragssituation vor Ort. Entscheidend ist daher, ob und in welchem Umfang Investitionskosten rechtssicher und wirtschaftlich tragfähig auf die Miete umgelegt werden können. Gleichzeitig zeigt sich, dass selbst geeignete umlagebezogene Instrumente in Regionen mit schwacher Nachfrage an ihre Grenzen stoßen können, wenn die Zahlungsbereitschaft der Mieter begrenzt ist.

Kurzfristige Einflüsse bleiben relevant
Neben den langfristigen strukturellen Faktoren spielen auch kurzfristige Einflüsse weiterhin eine Rolle. Insbesondere die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen bleibt ein zentraler Treiber für die Nachfrage. Höhere Zinsen reduzieren die Zahlungsfähigkeit vieler Haushalte und können die Dynamik auf den Immobilienmärkten dämpfen.

Hinzu kommt der wirtschaftliche Strukturwandel, insbesondere im Zuge der ökologischen Transformation. Regionen mit einer starken industriellen Prägung – etwa durch energieintensive Industrien oder die Automobilwirtschaft – könnten vorübergehend geringere Wachstumsdynamiken aufweisen, wenn sich Unternehmen und Arbeitsmärkte an neue Rahmenbedingungen anpassen müssen.

Fazit: Differenzierte Märkte erfordern ein Umdenken in der Wohnungspolitik
Die zunehmende regionale Differenzierung der Immobilienmärkte hat unmittelbare Konsequenzen für die Wohnungspolitik. Einheitliche, bundesweit pauschale Regulierungsansätze werden der tatsächlichen Marktrealität immer weniger gerecht. Investitionen in den Gebäudebestand – insbesondere in energetische Modernisierungen – setzen wirtschaftliche Tragfähigkeit voraus. Diese hängt maßgeblich von der regionalen Ertragssituation ab. In vielen strukturschwächeren Regionen stoßen selbst sinnvolle und politisch gewünschte Maßnahmen an Grenzen, wenn sie sich nicht refinanzieren lassen.

Vor diesem Hintergrund muss Wohnungspolitik stärker als bisher auf verlässliche und differenzierte Rahmenbedingungen ausgerichtet werden. Dazu gehört insbesondere, Investitionen rechtssicher und ausreichend umlagefähig zu gestalten sowie zusätzliche Belastungen zu vermeiden, welche die Wirtschaftlichkeit weiter einschränken. Gleichzeitig gilt, dass sich klimapolitische Ziele im Gebäudebestand nur erreichen lassen, wenn sie mit den ökonomischen Realitäten in Einklang stehen. Ohne stabile Erträge und verlässliche Investitionsbedingungen werden notwendige Modernisierungen ausbleiben – nicht aus mangelnder Bereitschaft, sondern aus fehlender wirtschaftlicher Tragfähigkeit.

Die zentrale politische Aufgabe besteht daher darin, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit von Wohnimmobilienstandorten zu sichern. Nur unter diesen Voraussetzungen können Investitionen mobilisiert und die Transformation des Gebäudebestandes tatsächlich umgesetzt werden.

Jakob Grimm, Referent Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik Haus & Grund Deutschland

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