Arbeitszimmer: Ab ins stille Kämmerlein

Seit den Jahren der Corona-Pandemie bieten immer mehr Unternehmen ihren Beschäftigten an, auch von zu Hause aus zu arbeiten. Ein häusliches Arbeitszimmer ist dabei Gold wert, auch wenn es nur ein paar Quadratmeter groß ist.

Bei der Einrichtung sollte man genau wie bei gewerblichen Büroräumen einige Grundregeln beachten. „Guter Schallschutz, ausreichende Beleuchtung, funktionierendes LAN- oder WLAN und genügend Stauraum sowie funktionsgerechte Büromöbel sind das A und O“, erklärt Mathias Rathke, Mitglied im Bund deutscher Innenarchitektinnen und Innenarchitekten (BDIA) und Inhaber eines Planungsbüros in Schondorf am Ammersee.

Räumliche Trennung von Arbeiten und Wohnen
Der Schallschutz bezieht sich dabei nicht einmal so sehr auf den Lärm von draußen, sondern vielmehr auf Geräusche innerhalb des Hauses. Das Arbeitszimmer sollte deshalb durch Wände und Türen vom übrigen Wohnraum getrennt sein. Das macht das ungestörte Arbeiten und Telefonieren leichter.

Ratsam ist außerdem ein Zimmer mit Tageslicht. „Dabei sollte der Schreibtisch möglichst im 90-Grad-Winkel zum Fenster aufgestellt sein“, rät Susan Freiberg, Expertin für Arbeitsplatzgestaltung am Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Dies verhindert, dass man vom einfallenden Licht geblendet wird.“ Auch sollte das Fenster über einen Sonnenschutz wie Rolläden, Vorhänge oder Jalousien verfügen, um nicht von direktem oder indirektem Sonnenlicht gestört zu werden.

Für den Schreibtisch sollte – sofern möglich – genügend Platz eingeplant werden. „Eine 160 Zentimeter breite und 80 Zentimeter tiefe Arbeitsfläche ist optimal“, weiß Freiberg. Neben einer separaten Tastatur und Maus kann dann wahlweise noch ein zweiter Bildschirm dazugestellt werden. Am Schreibtisch sollte der Bewegungsradius 1,50 Quadratmeter betragen.

Im Stehen arbeiten dank höhenverstellbarer Schreibtische
Gestaltungsmöglichkeiten für Schreibtische gibt es viele: angefangen vom schlichten Stahlgestell mit Tischplatte in allen erdenklichen Farben und Materialien bis hin zu Holzmöbeln mit oder ohne Schubladen. Die Schreibtischplatte selbst sollte durch Material und Farbgebung die Konzentrationsfähigkeit stärken. Die Auswahl der Farbe ist letztlich Geschmacksache. Nur Glasplatten sind aufgrund ihrer Empfindlichkeit weniger geeignet.

Wer viel Zeit am Schreibtisch verbringt, kann auch über ein höhenverstellbares Modell nachdenken, um zwischendurch mal im Stehen arbeiten zu können. Alternativ kann ein Stehpult ins Zimmer gestellt oder der Arbeitsplatz in ein bestehendes Regal integriert werden, das entsprechend umgebaut wird.

Um das Kabelwirrwarr diverser Elektrogeräte unter dem Arbeitstisch zu vermeiden, empfiehlt sich die Montage eines Kabelkanals am hinteren Tischende. Dort werden alle Kabel gebündelt. Nicht sparen sollte man im Arbeitszimmer an Steckdosen und LAN-Anschlüssen, falls kein WLAN vorhanden ist.

Genügend Stauraum
Entscheidend für ein Arbeitszimmer ist unter anderem ausreichend Stauraum. Die einfachste und günstigste Variante sind Regale. Teurer – aber auch aufgeräumter – sind geschlossene Wandregale oder Einbauschränke. Letztere haben den Vorteil, dass Akten und Ordner hinter den Türen verschwinden und nicht so leicht einstauben. In Ergänzung zum Schreibtisch können Rollcontainer für Büroutensilien und Unterlagen Platz bieten.

Auch dem Bürostuhl gebührt Aufmerksamkeit: „Er ist individuell auf die jeweilige Person anzupassen“, betont Freiberg. Sitzhöhe, Sitztiefe, Armlehnen und Rückenlehne sollten verstellbar sein. „Die Rückenlehne sollte beweglich sein, sodass ein dynamisches Sitzen möglich ist und man sich zum Beispiel beim Telefonieren auch mal bequem nach hinten lehnen kann“, empfiehlt die Expertin. Ein solcher Büroarbeitsstuhl hat mindestens fünf Rollen, die dem Fußbodenbelag angepasst sind.

Ganz entscheidend: Gute Lichtverhältnisse
Zentral für ein produktives Arbeiten sind gute Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz. Neben einer adäquaten Deckenbeleuchtung gehört dazu eine ausreichend helle Tisch- beziehungsweise Stehlampe. Für Büroräume gilt ein Minimum an Beleuchtungsstärke von 500 Lux, um die nötigen Leuchtdichtekontraste für ein weitgehend belastungsarmes Lesen zu gewährleisten.

Nicht zuletzt ist für das Wohlbefinden im Arbeitszimmer die Wandgestaltung nicht zu vernachlässigen. „Sie sollte immer im Zusammenspiel mit der Farbe des Bodens und der Büromöbel gesehen werden“, betont Mathias Rathke. Zu einem dunklen Boden oder eher dunklen Mobiliar passe eher ein hellerer Farbton und umgekehrt. „Dabei sollte man auf Kontraste nicht verzichten. Sie sorgen für Orientierung im Raum“, fügt der Innenarchitekt hinzu.

Karin Birk

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