Der diesjährige Zentralverbandstag begann mit einem Empfang im Saarbrücker Rathaus. Dort begrüßte Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU), zugleich Vizepräsident des Deutschen Städtetages, die Vertreter von Haus & Grund Deutschland und tauschte sich mit ihnen über aktuelle wohnungspolitische Fragen aus. Conradt würdigte das Engagement von Eigentümern und Vermietern und betonte, dass ihr Einsatz zugleich die demokratischen Strukturen stärke.
Vince Ebert über Mut und Maß
Mit viel Humor, pointierten Beobachtungen und einer klaren Botschaft griff der Physiker, Kabarettist und Wissenschaftsmoderator Vince Ebert die großen Herausforderungen der Gegenwart auf. In seinem Vortrag nahm er insbesondere überbordende Regulierung und politische Detailsteuerung kritisch in den Blick, ohne dabei den Optimismus zu verlieren. Ebert appellierte an das Publikum, sich aktiv in gesellschaftliche Debatten einzubringen, Missstände offen anzusprechen und Gestaltungswillen wieder aufleben zu lassen.
Kontinuität an der Verbandsspitze
Im Rahmen des diesjährigen Zentralverbandstages fand auch die Mitgliederversammlung des Verbandes statt. Ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung war dabei die Wahl des Präsidenten, die turnusmäßig alle fünf Jahre stattfindet.
Kai Warnecke, der das Amt bereits seit 2016 innehat, trat zur Wiederwahl an und wurde mit sehr großer Mehrheit in seinem Amt bestätigt. Die Mitglieder sprachen ihm damit erneut ihr Vertrauen für die kommende Amtszeit aus.
In seiner Ansprache nach der Wiederwahl bedankte sich Warnecke bei den Delegierten und Mitgliedern für die breite Unterstützung. Zugleich machte er deutlich, dass der Verband auch in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen stehen werde. Neben politischen und regulatorischen Entwicklungen nannte der Präsident insbesondere den zunehmenden Einfluss neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz. Der Verband werde sich weiterhin dafür einsetzen, die Interessen von Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümern in einem sich wandelnden Umfeld entschlossen zu vertreten.
Dialog statt Gegeneinander
Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) eröffnete ihren Beitrag mit einem persönlichen Bekenntnis: Sie sei selbst Mitglied bei Haus & Grund. Rehlinger betonte, dass Mieter und Vermieter nicht als Gegenspieler verstanden werden sollten, sondern Teil eines gemeinsamen Wohnungsmarktes sind. „Wir brauchen pragmatische Vorgaben, damit Wohnen einerseits bezahlbar bleibt und gleichzeitig einen Beitrag zum Kimaschutz leistet“, so die Politikerin. In der anschließenden Diskussion mit Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke und dem Vorsitzenden von Haus & Grund Saarland Norbert Behle standen insbesondere mietrechtliche Fragen im Mittelpunkt.
Eigentum im Spannungsfeld
Auch der frühere Bundesverfassungsrichter und ehemalige Ministerpräsident des Saarlandes Peter Müller (CDU) griff wohnungspolitische Fragen auf und beleuchtete insbesondere das Spannungsverhältnis von Eigentumsfreiheit und gesellschaftlicher Verantwortung. „Der wirksamste Mieterschutz besteht in einem ausreichenden Wohnungsangebot“, stellte Müller fest und forderte die Politik auf, private Eigentümer in der Debatte stärker zu berücksichtigen. Schließlich stellen sie einen Großteil des Wohnungsangebots.
Studien zur Lage der Eigentümer
Dass die Herausforderungen für Eigentümer in Deutschland tatsächlich groß bleiben, machten anschließend Jakob Grimm und Matthias zu Eicken (Haus & Grund Deutschland) anhand von Zahlen deutlich. Sie stellten das FEIRE-Projekt sowie das WohnKlima-Panel vor, mit denen sie die Situation von Eigentümern in Deutschland untersuchen und wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen analysieren. Die gewonnenen Erkenntnisse bieten eine wertvolle Grundlage für die politische Arbeit des Verbandes und helfen dabei, die Interessen der Eigentümer gezielt zu vertreten.
Gebäudemodernisierungsgesetz im Fokus
In den Fachforen standen erneut aktuelle Themen und praxisnahe Informationen im Mittelpunkt. Im Forum Energie erläuterte Corinna Kodim (Haus & Grund Deutschland) die Inhalte des Referentenentwurfs zum Gebäudeenergiegesetz (GModG) und diskutierte die Auswirkungen auf Eigentümer mit Moderatorin Lis Blume und Haus & Grund-Geschäftsführer Alexander Wiech.
Aktuelle Entwicklungen in Energie- und Mietrecht
Im Forum Recht berichteten Luisa Peitz und Inka-Marie Storm (Haus & Grund Deutschland) aus der Expertengruppe Mietrecht, wie Haus & Grund dort die Interessen von Eigentümern vertritt, und ordneten den Gesetzentwurf zur Änderung des Wohn- und Geschäftsraummietrechts (Mietrecht II) hinsichtlich seiner Folgen für Eigentümer und Vermieter ein.
Austausch auf Augenhöhe
Das Programm stieß bei den Verbandsmitgliedern auf großes Interesse und überzeugte durch seine thematische Vielfalt, die zahlreiche Perspektiven und aktuelle Fragestellungen zusammenführte. Zahlreiche Wortmeldungen aus dem Plenum, differenzierte Einschätzungen sowie spannende fachliche Einblicke prägten den Austausch und boten vielfältige Anknüpfungspunkte für die Praxis.