Das sogenannte Mietrechtspaket II soll Mieter stärker schützen und bestehende Regelungen verschärfen. Aus Sicht privater Vermieter stellt sich jedoch die Frage, wie stark die geplanten Änderungen in die Praxis der Vermietung eingreifen. Erste Ergebnisse der Sonderauswertung zeigen eine deutliche Tendenz: 60,5 Prozent der befragten Vermieter halten es für wahrscheinlich, dass sie ihre Vermietungstätigkeit ganz oder teilweise aufgeben und Wohnraum verkaufen würden. Entscheidend ist damit nicht allein die einzelne Maßnahme, sondern vor allem die Gesamtwirkung mehrerer gleichzeitiger Regulierungsvorhaben.
Schonfristzahlung
Besonders kritisch bewerten die Befragten die geplante Ausweitung der Schonfristzahlung. Mieter sollen künftig einmalig auch eine ordentliche Kündigung durch Nachzahlung abwenden können. 68,5 Prozent der Vermieter sehen darin eine starke oder sehr starke Einschränkung. Betroffen ist damit ein Kernbereich des Mietverhältnisses: die Durchsetzbarkeit von Zahlungsansprüchen.
Mietpreisbremse
Auch die geplante weitere Einschränkung von Ausnahmen bei der Mietpreisbremse wird als spürbare Belastung wahrgenommen: 38,4 Prozent der privaten Vermieter erwarten starke oder sehr starke Einschränkungen, nur 22,9 Prozent rechnen mit keinen Auswirkungen. Da die Mietpreisbremse unmittelbar die Neuvermietung betrifft, greift sie direkt in die wirtschaftliche Kalkulation ein.
Indexmieten
Bei Indexmieten erwartet ein relevanter Teil der Befragten ebenfalls Einschränkungen. Geplant ist, Mietsteigerungen oberhalb von 3 Prozent künftig nur noch teilweise zu berücksichtigen. 26 Prozent der Vermieter sehen darin starke oder sehr starke Folgen. Für sie sind Indexmieten ein Instrument, um steigende Kosten und Inflation zumindest teilweise abzufedern.
Möbliertes Wohnen
Kleinere Marktsegmente wie möbliertes Wohnen und Kurzzeitvermietung betreffen zwar nicht die Mehrheit der privaten Vermieter, können für einzelne Anbieter aber spürbare Folgen haben. Beim möblierten Wohnen erwarten rund 18 Prozent starke oder sehr starke Auswirkungen. Bei der Kurzzeitvermietung geben 48,8 Prozent an, dass dieses Segment für sie überhaupt keine Rolle spielt, weitere 16,3 Prozent messen ihm wenig Bedeutung bei. Gleichzeitig rechnen rund 19 Prozent mit starken oder sehr starken Einschränkungen.
Fazit
Das Mietrechtspaket II trifft private Vermieter nicht nur punktuell. Vor allem die Summe der geplanten Eingriffe wird als Belastung empfunden. Wenn mehr als sechs von zehn Befragten einen teilweisen oder vollständigen Rückzug aus der Vermietung für wahrscheinlich halten, ist das ein politisches Warnsignal. Mieterschutz darf nicht dazu führen, dass private Eigentümer ihre Wohnungen vom Mietmarkt nehmen. Wer bezahlbaren Wohnraum sichern will, muss die Anbieter dieses Wohnraums mitdenken.