Es war einmal in einem Land, nicht lange vor unserer Zeit, in dem fehlten 600.000 Wohnungen, obwohl gleichzeitig mehrere Hunderttausend Wohnungen leer standen. Staatlich regulierte Mieten hatten dazu geführt, dass Wohnraum so billig war, dass er verfiel. Die Lösung der Regierung war, auf staatlichen Grundstücken im seriellen Baustil schnell neue Wohnungen zu bauen. Diese wurden sodann von einer staatlichen Wohnraumbehörde verteilt, unter anderem nach den gesellschaftlichen Verdiensten der Mieter.
Das war 1971, in der DDR: So entstanden unter anderem Berlin-Marzahn, Halle-Neustadt und Rostock-Lichtenhagen. Ausreichend Wohnraum gab es bis zum Ende der DDR dennoch nicht – auch weil die alten, mietpreisgebremsten Häuser genauso schnell verfielen, wie neue Platten gebaut wurden. Letztere bekam man übrigens bei politischer Loyalität bevorzugt zugeteilt.
Heute fehlen nach Berechnungen der Bundesregierung wieder 600.000 Wohnungen. Investitionen in den Wohnungsbestand lassen – unter anderem wegen der Mietpreisbremse – immer mehr nach. Wie schön, dass Finanzminister Lars Klingbeil und Bauministerin Verena Hubertz (beide SPD) jetzt eine vermeintlich neue Idee zur Lösung haben: Auf staatlichen Flächen soll eine Bundeswohngesellschaft im seriellen Stil schnell und billig neuen Wohnraum schaffen. Dafür müsse man nur kurz das Grundgesetz ändern. Und wer weiß, vielleicht hilft bei der Wohnungssuche in Zukunft dann auch wieder das richtige Parteibuch.
Haus & Grund Deutschland
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