Holz: Ein Baustoff für alle Fälle
Der Einsatz des traditionellen Baustoffes vereinigt viele Vorteile. Holz ist nachhaltig, gesund und vielseitig einsetzbar.
Der Einsatz des traditionellen Baustoffes vereinigt viele Vorteile. Holz ist nachhaltig, gesund und vielseitig einsetzbar.
Bauen mit Holz kommt immer mehr in Mode. Das gilt nicht nur für Einfamilienhäuser, sondern auch für Mehrfamilienhäuser. „Der Marktanteil von Neubauten aus Holz legt kontinuierlich zu“, berichtet Rainer Kabelitz-Ciré, Geschäftsführer von Holzbau Deutschland – dem Fachverband der Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes.
So lag im Wohnungsbau der Anteil der genehmigten Gebäude 2023 in Holzbauweise bei 22,0 Prozent (Vorjahr: 21,3 Prozent). In Baden-Württemberg und Bayern waren es sogar mehr als 30 Prozent. Wie in der gesamten Baubranche bekam allerdings auch der Holzbau die schwierige Baukonjunktur zu spüren.
Hohe Vorfertigung möglich
Holz wird heute vielfältig genutzt – von der Konstruktion mehrstöckiger Häuser über die Fassadengestaltung bis hin zum Innenausbau. Von Vorteil ist beim Bauen mit Holz die hohe Vorfertigungsstufe. Ganze Wände mit und ohne Fenster können witterungsunabhängig in der Produktionshalle vorgefertigt und dann ausgeliefert werden. Wochenlange Baupausen für Trockenphasen von Beton und Mauerwerk fallen weg. Das hilft, Bauzeit und Kosten zu sparen.
Besonders verbreitet ist die sogenannte Holzrahmen-Bauweise. „Kernstück bildet ein Holzrahmen aus senkrechten und waagerechten Kanthölzern. Die so entstehenden Gefache werden dann gedämmt und der Holzrahmen beplankt“, erklärt der gelernte Zimmerer und Bauingenieur. Dabei können die Holzwände sowohl innen als auch außen verputzt werden.
Darüber hinaus verfügt Holz über sehr gute energetische Eigenschaften. „Holz hat eine geringe Wärmeleitfähigkeit und dämmt die Häuser gut“, betont Rainer Kabelitz-Ciré. Dadurch reduziert sich der Energieverbrauch beim Heizen.
Holz hilft beim Klimaschutz
Als Baustoff der Zukunft gilt Holz wegen seiner nachhaltigen Eigenschaften. „Wenn ein Baum wächst, entzieht er der Atmosphäre während des biochemischen Prozesses der Photosynthese Kohlendioxid, bindet den Kohlenstoff im Holz und gibt den Sauerstoff in die Atmosphäre ab“, erklärt der Holzbau-Experte. Und nicht nur das: Wer mit Holz baut, benötigt weniger Beton und Stahl, bei deren Herstellung viel Kohlendioxid freigesetzt wird.
Holz ist aber nur dann ein nachhaltiger Baustoff, wenn es aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern kommt. Das bedeutet, dass nur so viel Holz dem Wald entnommen wird, wie wieder nachwächst. Auch sollten die Transportwege nicht zu lang sein. „In Deutschland wird vorrangig Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft aus Mitteleuropa verbaut“, weiß Kabelitz-Ciré. Nicht zu vergessen, dass Holz auch gut zu recyceln ist.
Konstruktiver Holzschutz ist wichtig
Wenn bereits in der Planungs- und Bauphase der konstruktive Holzschutz beachtet wird, kann auf chemischen Holzschutz verzichtet werden. „Dächer und Bauteile müssen so angeordnet und verkleidet sein, dass ein effektiver Schutz vor Feuchtigkeit gegeben ist und damit ein Pilzbefall verhindert wird“, erklärt der Bauingenieur. Erforderlich sind dabei vor allem ausreichende Dachüberstände, Ablaufschrägen an horizontalen Flächen und spritzwassergeschützte Sockel.
Und sollten bestimmte Bauteile Wind und Wetter sehr stark ausgesetzt sein, dann können besonders widerstandsfähige Sorten wie Lärche, Douglasie oder Eichenkernholz ausgewählt werden. Und damit auch Insekten keine Freude am verbauten Holz haben, wird heute technisch getrocknetes Holz zum Bauen verwendet.
Brandgefahr nicht höher als bei anderen Gebäuden
Bauherren müssen sich keine Sorgen wegen Feuer und Lärm machen. „Holzhäuser unterliegen den gleichen gesetzlichen Brand- und Schallschutzbestimmungen wie Häuser, die in anderer Bauweise erstellt worden sind“, erläutert Kabelitz-Ciré. Die Brandgefahr von Holzhäusern sei damit nicht höher. Versuche hätten gezeigt, dass Holz im Brandfall standsicher ist, da sich um die Balken eine Schicht schützender Holzkohle bildet.
Bleibt die Frage, ob es bei Holzhäusern öfter Genehmigungsprobleme gibt als bei anderen Gebäuden. Auch das verneint der Experte: „Beim normalen Eigenheimbau gibt es keine Unterschiede in den Genehmigungsverfahren“, sagt er mit Blick auf die Landesbauordnungen.
Beruhigt haben sich bereits seit längerem die Holzpreise. Nach heftigen Preissprüngen Anfang der 2020er-Jahre haben sie sich wieder auf dem Niveau von vor der Krise eingependelt. „Hier sehen wir wieder eine Normalisierung“, resümiert Kabelitz-Ciré und ergänzt, dass die Materialpreise im Holzbau nur einen geringen Teil der Gesamtkosten ausmachen.
Karin Birk
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